Auftritt klebriger Salbei!

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Wenn vieles schon verblüht und noch viel mehr vertrocknet ist (nach mehr als 2 Monaten heißem Sommer ohne nennenswerte Regenmenge), betritt der klebrige Salbei die Bühne. Er blüht im Hochsommer bis Ende September. Gerade hab ich ein paar Blüten abgezupft – ich hab ihn ja im Hof-, die dürfen jetzt trocknen und wandern noch in meinen Haustee, den ich übers Jahr hindurch Kraut für Kraut zusammengesammelt hab.

Und da dachte ich mir, ich erzähl ein kleines Geschichterl zum klebrigen Salbei:

Seit ich mit meiner Praxis umgezogen bin ins Weingut meines Bruders bzw ins ehemalige Wohnzimmer meiner Oma, darf ich nun den Platz hüten. Unser Innenhof ist der fürs Nordburgenland typische Streckhof, schmal und lang. Da darf ich mich jetzt also um Pflanzen kümmern, die 3 vorhandenen Beete betreuen und nach Herzenslust kräutern in großen Trögen und kleineren Töpfen. Als passend wurde seitens meines Bruders alles erachtet, das auch draußen in und rund um unsere Weingärten wächst und gedeiht. Also hab ich nicht nur Samen gesät, sondern bin auch mit Kübel und Schaufel bewaffnet ins Gemüse und Unterholz gezogen und hab allerhand Wildes ausgegraben. Quasi umverpflanzt in den Hof. Auch mit einer meiner Mit-Kräuterlinge bin ich durch ihre Lande gezogen und einiges wollt einfach mit mir mit ins schöne Burgenland. *lach*

Was hat mein Vater gemeckert, als ich „Welke Pflanzen“ eingesetzt hab. „Das wird nix. Wie kann man nur welke Pflanzen einsetzen. So ein Schmarren.“ No na haben ein paar Pflanzen die Köpfe hängen lassen, wenn ich unterwegs ausgrab, die während der Kräutersammelrunde im Binkerl mitwandern und nach Stunden erst wieder in die Erde gesetzt werden. ABER: zu meiner Freude haben fast alle aus der Wurzel wieder ausgetrieben. Und.. naja.. ich gestehe.. bei ein paar hab ich dann nimmer gewusst wer mich da heimbegleitet hat. So auch beim klebrigen Salbei. Welk eingesetzt, gepflegt, gut zugeredet (ich begrüße sobald ich in meine Praxis komm zuallererst alle meine Pflanzen, soviel Zeit muss einfach sein) und er hat gewuchert… Sicher war ich mir nimmer wer oder was da wächst. Zum Glück kommen irgendwann die Blüten. Ich hab so eine Freude seit ich den klebrigen Salbei wieder als solchen erkannt hab. Hab mich gefreut wie ein Kind zu Weihnachten als die erste Blüte sich geöffnet und mir zugelächelt hat. Wundervolle Pflanzenmagie! Seine Blätter ziehen im Winter ein, im Frühjahr treibt er aus der Wurzel wieder aus.

Der klebrige Salbei, wird auch gelber Salbei genannt, eine sommergrüne Staude, die 40-80 cm hoch wird, horstartig wachsend, ein Lippenblütler wie alle Salbeiarten. Laut Lehrbuch sind der vierkantige Stängel, die Laubblätter und Kelchblätter klebrig behaart – da war bei mir die Krux, denn mein Exemplar ist am Stängel bloß im Bereich der Blütenknospen bzw Blüten klebrig behaart, also nur an den oberen cm. Stängel und Laubblätter sind filzig behaart aber nicht klebrig. Vielleicht ein Unterschied dem Standort wegen im Topf im Hof und recht sonnig, ned wild am Waldrand.

Der klebrige Salbei wächst wild in den Laub- und Mischwäldern Mittel- und Südeuropas, am Waldrand, in Auwäldern, im Schatten und Halbschatten. Hauptblütezeit ist von Juli-September.  Seine blassgelben Blüten erhellen uns den Spätsommer. Bei uns die einzige Salbeiart mit dieser Blütenfarbe. Und eine perfekte Spätsommernascherei für Bienen, Hummeln und Co. Oft finden sich auf blassgelben Hintergrund hellbraune Flecken. Mit seinen Blüten wirkt der klebrige Salbei zart zurückhaltend, ruhig, gutherzig.

Die klebrige Behaarung soll vor Fressfeinden schützen.. bei mir haben sich 2 Heuschrecken die Blätter im Juni schmecken lassen.. aber mein Exemplar meint ja behaarte Blätter sind überflüssig.. offenbar eine Abmachung zwischen den 2 Herren Flip (Eh schon wissen, die Heuschrecke bei Biene Maja, ich hab sie danach getauft) und meinem klebrigen Salbei *lach*

Der botanische Name lautet Salvia glutinosa. Glutinosa steht für kleben. Die klebrigen Kelchblätter bleiben gerne an vorbeistreifenden Tieren haften. Fun fact: In Ställen soll deshalb klebriger Salbei als natürlicher Mücken- und Fliegenfänger aufgehängt worden sein.

Volksheilkundlich wird dem klebrigen Salbei weniger Bedeutung zugemessen als den übrigen Salbeiarten. Trotzdem lässt er sich genauso einsetzen. Vielleicht zarter in der Wirkung, was ja manchmal nicht das schlechteste ist…

Das Kraut wirkt – ganz Salbei – antibakteriell, entzündungshemmend, bei Fieber, Verdauungsproblemen und Menstruationsbeschwerden gut einzusetzen. Wunderbar als Tee zu trinken, schmeckt klebriger Salbei honigartig, dezent würzig. 

Klebriger Salbei ist auch ein wunderbares Räucherkraut. Süß würzig im Duft unterstützt uns dieser sanfte Pflanzengeist im Loslösen von Fremdenergien, auch wenn diese sich unbewusst an uns geheftet haben. Er nimmt uns ab was an uns „kleben“ blieb. Er eignet sich für sanfte Heilungen, wir erkennen tiefe Seelenwunden und können uns für die Heilung öffnen. Gutmütig unterstützt er uns, damit wir persönlich wachsen und neue Wege gehen können. 

Der klebrige Salbei – ein subtiles, gutherziges, sanft lächelndes Pflanzenwesen, so unaufgeregt leise und ruhig und doch so präsent und kraftvoll aufrecht stehend. Lassen wir uns möglichst oft von ihm begleiten!

Anmerkung: Ursprünglich hab ich diesen Artikel für meine Lehrerin geschrieben als Beitrag zum Lindenblatt, ihrer Online-Zeitschrift, zu finden unter Veranstaltungen/Termine auf http://www.kraeuterkraftkeis.at

Eine Antwort zu „Auftritt klebriger Salbei!”.

  1. Avatar von Alexandra
    Alexandra

    Ein Hoch auf den klebrigen Salbei, liebevoll und sehr detailliert beschrieben, da kriegt man Lust sich selbst auf die Suche nach den wilden Kräutern zu machen!

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