Es ist September geworden. Heut ist Sonntag. Für mich ein entspannter „Faulenzer“-Sonntag. Länger schlafen, ausgiebig frühstücken, ein bisserl herumtrödeln, noch einen Kaffee, ein Buch lesen. Die Sonne scheint.. und dennoch.. die Luft tanzt kühl durchs Fenster herein.. Es ist Spätsommer.. Altweibersommer wie es so schön heißt..
Aber was haben denn eigentlich die alten Damen mit dem Spätsommer zu tun?! „Weiben“ ist ein altdeutsches Wort für Weben oder Spinnen. Und tatsächlich sind im Spätsommer viele Spinnen oft aktiver, suchen neue Reviere und lassen sich an ihren Fäden durch den Wind treiben. Im Sonnenlicht glänzen diese feinen Spinnfäden silbrig-schön. Ähneln sie da nicht dem grauen oder weißen Haaren der alten weisen Frauen?! Jedenfalls zeigen sie langsam das Ende des Sommers an und symbolisieren damit ein Zyklusende, vielleicht auch ein Symbol für Vergänglichkeit, für die Lebensfäden die von den Schicksalsgöttinen (den „Alten Weibern“) gesponnen werden.
Fürs gemütlich mit Buch herumgnotzen fehlt mir jetzt noch ein Duft im Diffuser.. Das gehört für mich einfach dazu.. Denn..
Wir können nicht „nicht riechen“. Wenn wir atmen, riechen wir. Keine Luft ist ohne Duft, auch wenn wir ihn oft nicht wahrnehmen. Angenehm auffallende Luft beschreiben wir als Duft, unangenehme, störende als Gestank. Das Bewerten von Gerüchen ist erlernt, Prägungen passieren schon in der ersten Lebenssekunde.
Übrigens: Ohne Duft entsteht auch kein menschliches Leben. Man weiß heute, dass die reife weibliche Eizelle einen maiglöckchenartigen Duft aussendet mit dessen Hilfe die männliche Samenzelle den Weg zu ihr findet. Spannend oder?
Während sich die Pflanzenheilkunde mit der ganzen Pflanze beschäftigt, arbeitet die Aromatologie mit ganz bestimmten, hochwirksamen Substanzen der Pflanzen, den ätherischen Ölen. Darin sind die Wirkstoffe der Pflanzen, ihre Lebenskraft, in konzentrierter Form enthalten. Gleichzeitig prägen sie den Duft einer Pflanze entscheidend mit, sind somit die „duftende Seele“ einer Pflanze.
Auf der ganzen Welt beeinflussen Pflanzen bis heute religiöse und kulturelle Bräuche, Kunst, Lebensgewohnheiten, Küche und Medizin. Volksheilkundliches Wissen um Kräuter wird seit vielen hundert Jahren zu Heilzwecken eingesetzt. Selbst die pharmazeutische Industrie imitiert und orientiert sich an der Heilkraft verschiedener Pflanzenwirkstoffe.

Ätherische Öle gelangen auf verschiedenen Wegen in den Körper. Der wichtigste und verbreitetste ist wohl der Weg über die Nase. Sie können in Form von Kapseln oral eingenommen werden, als Tropfen in Honig oder Tee. Zäpfchen sind ein Weg über rektale oder vaginale Anwendungen. Durch Massagen, Einreibungen, Kompressen und Bäder gelangen die ätherischen Öle über die Haut in den Blutkreislauf und in unseren Organismus. Dabei riechen wir sie auch, sie gelangen dabei zusätzlich durchs Einatmen über die Nase in das limbische System, jenem Teil des Gehirnes, das unsere Emotionen steuert.
Düfte gelten als Pforte zu unserer Seele. Düfte wirken auf unser vegetatives Nervensystem, auf unsere Hormone, auf unser Immunsystem. Die Wirkung der ätherischen Öle passiert unmittelbar. Sie sind sehr schnell in unserem Körper unterwegs. Bereits nach 22 Sekunden haben sie unser limbisches System erreicht, nach knapp 2 Minuten sind sie im Blut nachweisbar. In 20 Minuten haben sie jede unserer Körperzellen erreicht. Nach spätestens 72 Stunden hat unser Körper sie wieder komplett ausgeschieden.
Meine Wahl fällt also heute auf eine 2er Kombination in der Duftlampe: Ho-Blatt und Zitrone. Als ich überlege, muss ich laut auflachen.. Ja eh.. Spätsommer.. Altweibersommer.. irgendwie ist beides gleichzeitig da.. Es ist noch Sommer.. aber es herbstelt schon ein bisserl.. Wie passend zu meiner Öle-Auswahl heute.. Die Frische und Leichtigkeit der Zitrone harmoniert gut mit der wohligen würzig-rosigen Süße vom Ho-Blatt.
Ho ist ein Lorbeergewächs, ein Baum der bis zu 50m hoch werden kann und in Asien beheimatet ist. Die immergrünen, glänzend-ledrigen Blätter werden zur Wasserdampfdestillation genutzt und schenken uns dieses wunderbare ätherische Öl. Ho-Blatt wirkt es hautpflegend, antibakteriell, antiviral, hilft bei Akne, Entzündungen, Erkältungen. Ho entspannt und beruhigt, unterstützt mitunter auch unsere Kreativität. Ich liebe den unaufdringlichen subtil-rosig-würzigen Duft 🙂
„Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, im dunklen Laub die Goldorangen glühn.“ (J.W. Goethe) Wer denkt da jetzt nicht an Sommer, Sonne, endlos blauen Himmel?? Italien und Meer?? Auch in der Mythologie tauchen sie auf: So sollen Ztronen ein Hochzeitsgeschek der Gaia an Zeus und Hera gewesen sein. Einer Legende nach die man sich im Barock erzählte, sollen die Hesperiden nach einer Drachentötung die Freiheit erlangt haben und mit ihren Zitronenbäumchen nach Italien gezogen sein, womit wir wieder in Goethes Land der blühenden Zitronen sind 😉

Zitrusfrüchte wurden schon vor mehr als 4000 Jahren in China kultiviert, durch die Feldzüge Alexanders des Großen gelangten sie nach Europa. Botanisch gesehen ist die Zitrone eine Beere! Zitronenbäume können bis zu 5m hoch werden. Blüten und Früchte in unterschiedlichen Reifegraden tragen sie gleichzeitig das ganze Jahr über. Seine Blätter sind dunkelgrün und ledrig.
Zitrone wirkt hautpflegend, sie macht müde Haut wieder munter, klärt und strafft. Wirkt blutreinigend, hilft bei Verdauungsbeschwerden und Übersäuerung des Körpers. Zitrone stimuliert unser Immunsystem, schützt vor Infektionen und kann fiebersenkend wirken. Zitrone besitzt eine sehr hohe keimtötende Wirkung, ist somit wunderbarst geeignet zur Raumluftdesinfektion! Gleichzeitig erfrischt und belebt uns ihr Duft, sie heitert uns auf. Auch nicht schlecht wenn alles rundherum schnupft und schnieft und mieselt und kränkelt.. Mundspülungen mit Zitrone kräftigen auch das Zahnfleisch.
Psst.. kleiner Tipp bei rissigen Händen, oder rissigen Ellbögen.. soll auch bei müden Füssen oder auch Warzen helfen.. eine Zitrone aufschneiden und einreiben.. Einer meiner Lehrer schwörte darauf nach jedem Händewaschen mit Seife ein paar Tropfen frischen Zitronensaft in den Händen zu verreiben! Kurt, bei jeder einzelnen Zitrone denke ich an dich!
Mein liebstes Rezept für ein Gurgelsalz mit ätherischem Zitronenöl: 100g reines Meersalz mit je 4 Tropfen Bergamotte (Citrus bergamia), Cajeput (Melaleuca leucadendra) und Zitrone (Citrus limon) vermischen. Jeweils 1 Kaffeelöffel in 1 Glas warmes Wasser einrühren und damit gurgeln. Hilft bei Mund-, Hals-, Rachenbeschwerden, oder auch vorbeugend bei jedem Zähneputzen.
Und weil ich jetzt soviel über die Zitrone geschrieben hab, gibt’s heut Mittag gleich Fisch mit Zitrone (der ganzen Frucht, nicht das äÖ): Fischfilet mit viel frischen Zitronensaft und gehackter Petersilie würzen, bei 200°C ca. 20 min ins Backrohr. Eventuell den endstandenen Sud mit ein bisserl Schlagobers oder Creme fraiche binden. Als Beilage: Weißbrot, Reis oder Erdäpfel. Mahlzeit!
So.. und statt Buch lesen hab ich jetzt diesen Artikel geschrieben… da wollte einfach etwas rausgeschickt werden.. wie war das mit Ho-Blatt und Kreativität?! .. gemütlich ausgebreitet.. im Schneidersitz.. flankiert von den Flauschnasen.. nicht am Bild.. links von mir Madame Pieps im Tiefschlaf.. rechts von mir Herr Xero darauf wartend mit einem Sprung Papier und Bücher durcheinanderzuwirbeln 😉 Ich geh jetzt kochen..

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