Jetzt ist sie da, die Zeit der Immergrünen.. Ein Vertreter: Efeu – Hedera helix

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Vorweihnachtszeit.. Spätherbst.. Winter.. Die Zeit der Immergrünen.. Ein Vertreter der immergrünen Pflanzen ist der Efeu. Irgendwie so ein Randgewächs.. selten wirklich wahrgenommen.. unterschätzt.. Daher deshalb sei ihm hier ein Artikel gewidmet.

Der gewöhnliche Efeu, ein Araliengewächs, ist ein immergrüner Kletterstrauch und kann bis zu 20m Länge erreichen. Seine ca. 5mm großen grünlich-gelben Blüten erscheinen zwischen September -November in halbkugeligen Dolden, seine Blätter sind ledrig, wechselständig, an nichtblühenden Trieben 3-5lappig. Ältere Efeupflanzen können an den oberen Blühtrieben ihre Blattform zu fast deltoidförmig ändern, die dann wenig an die typischen jungen Blätter erinnern.

Efeu wächst mit Hilfe seiner Haftwurzeln an Mauern, Felsen und Bäumen empor, ist in Misch- und Auwäldern ebenso zu finden wie in Parkanlagen und Friedhöfen. Ihm genügt ein karger Boden und Schatten. Efeu ist die einzige Liane Mitteleuropas, das Gerücht er schädige Bäume ist falsch. Efeu holt sich seine Nährstoffe ausschließlich aus dem Boden, Bäume sind ihm einfach Kletterhilfe auf dem Weg zum Licht. Er schützt vor Kälte und Wärme, bietet Vögeln getarnte Nistplätze, bleibt manchmal auch ein Bodendecker und kann ein Alter von bis zu 400 Jahren erreichen. 

Im Herbst locken seine nektarreichen Blüten Fliegen, Wespen und Bienen an, im Frühjahr sind seine bläulich-schwarzen Beeren für Vögel die ersten frischen & reifen Früchte des Jahres. 

Efeu enthält giftige Inhaltsstoffe, manche Menschen reagieren auf den Saft der frischen Blätter mit einer Kontaktdermatitis, einem Hautausschlag, da reicht schon ein Pflücken der Blätter oder Beschneiden der Pflanze. Besonders giftig sind die schwarzen Beeren, mehr als 5 Beeren sollten selbst Erwachsene nicht verzehren, bei Übelkeit, Erbrechen und Herzrasen wäre dann die Vergiftungszentrale anzurufen.

Trotzdem wird Efeu schon in antiken Schriften als Heilpflanze erwähnt. Tee aus Efeublättern wird vereinzelt auch heute in der Volksmedizin verwendet. Seine enthaltenen Saponine regen zu Abhusten von festsitzendem Schleim an, seine Flavonoide wirken zusätzlich krampflösend bei hartnäckigem, schwerem Husten. 

Die moderne Medizin verwendet Efeu heute in Arzneien gegen Husten und Bronchitis. Homöopathisch wird Hedera helix D3 bis D6 bei Husten, Schnupfen, Keuchhusten und Asthma gegeben, D30 bei Überfunktion der Schilddrüse. 

Umschläge aus dem Absud von Efeublättern soll bei Entzündungen und Wunden helfen, seine krampflösenden und sogar bakteriziden Wirkstoffe sind mittlerweile wissenschaftlich belegt, Efeuextrakte gut untersucht worden. 

In Form von Kompressen wirkt die Abkochung der Blätter betäubend und antineuralgisch bei Nervenentzündungen und Schmerzen aller Art. Waschungen sollen auch bei Hautunreinheiten und Fußpilz helfen, Hühneraugen können mit frisch zerstoßenen Blättern behandelt werden. Die zusammenziehenden und gefäßverengenden Eigenschaften lassen sich auch bei Cellulite anwenden, in Form einer zur Creme verarbeiteten Tinktur beispielsweise. Efeutinktur wäre auch bei Milz- und Prostataleiden ein mögliches Mittel. 

Selbst erprobt habe ich allerdings bisher nur ein aus Efeu selbst hergestelltes Spülmittel. Genial zum Geschirrspülen, super fettlösend und ganzjährig frisch herzustellen, sofern Efeu in der Nähe wächst. 

Dazu ein paar Efeublätter grob zerkleinern, in ein Marmeladeglas füllen, mit heißem Wasser auffüllen, ziehen lassen und ab und zu schütteln, bis sich Schaum bildet. Dann abseihen und in eine Flasche füllen. Wer mag kann noch einen Schuss Essig und ein paar Tropfen ätherisches Orangenöl dazugeben. 

Kühl lagern und innerhalb weniger Tage verbrauchen – es lässt sich ja superschnell wieder machen! Mengen kann ich diesmal nicht verraten, weil ich da Pi mal Daumen arbeite 😉

Efeu ist Bestandteil zahlreicher Mythen und Sagen. 

Zu Dionysos, dem Gott des Weines, gibt es eine besondere Beziehung: In Griechenland schmückte Efeu Weinpokale und bei feucht-fröhlichen Festen schmückte man sich mit Efeukränzen, seine Blätter sollten Beschwerden übermäßigen Alkoholgenusses lindern. Wo viel Efeu wuchs, vermutete man die Anwesenheit des Gottes. Viel Efeu lässt sich auch heute in so manchen Weingütern finden. So wurde oft ein Efeukranz von Wirtsleuten über die Tür gesteckt, wenn es neuen Wein hab.

Efeu diente auch als Orakel: Blüht der Efeu schön, soll es eine große Weinernte geben. 

Am Matthiastag, dem 24.2. soll man Wasser aus 3 verschiedenen Quellen holen und Efeublätter drin schwimmen lassen. Schwimmen die Blätter zusammen, deutet das auf eine Heirat im kommenden Jahr hin. 

Als immergrüne Pflanze symbolisiert Efeu ewiges Leben, immerwährende Liebe und ewige Treue. Wo Efeu sich festklammert, lässt er sich nur schwer von seinem Partner trennen. Eine Efeuranke verschönert so manchen Brautstrauß bis heute. Und auf Gräbern wird Efeu gepflanzt als Symbol für Unsterblichkeit. Hier gibt es eine schöne Verbindung zur Geschichte von Tristan und Isolde: Selbst im Tode getrennt wuchsen aus ihren Gräbern Efeuranken empor, bis sie einander erreichten und schließlich zu einer Einheit verschmelzen konnten. 

Efeu lässt sich mit seiner besonderen Signatur schwer wo einordnen, ist zugleich Liane, Kletterkünstler und Bodendecker. Seine Blätter haben keine einheitliche Form, sie sind höchst wandelbar. Efeu ist damit fast ein magischer Formwandler. Junge Blätter sind hell und saftig grün, ältere Blätter dunkel und düster. Die Blüten (im Herbst!!) sind nektarreich und stinken zugleich, ziehen Bienen und Aasfliegen zugleich an. 

Eine Efeupflanze kann 400 Jahre alt werden und ist dabei ein lebendes Fossil – schon in der Kreidezeit wuchs Efeu, vor 100 Millionen Jahren, als noch Dinosaurier lebten. 

Stell dich einmal in Ruhe vor eine mächtige Efeuranke. Da strahlt eine uralte, tiefe Kraft. Eine Kraft, die aus der Erde wurzelt, standhaft, ruhig, erdig-rauh, genügsam, vertrauensgebend. Und gleichzeitig ist da etwas Helleres, luftig-wildes, verwirrend-chaotisches, das allerdings weniger vertrauenswürdig anmutet., es lässt sich nicht einordnen. 

Und schon ist der Kopf da: Haftwurzeln? Moment. Wurzeln? Die sind doch in der Erde?

Wolf-Dieter Storl beschreibt die Efeuliane als „Himmelsleiter“, die Archaisches, Uraltes nach oben ins Lichthafte hebt. Efeu gleiche einer sich windenden Schlange. Ein Reptiliengeist, mit der Erdmutter zutiefst verbunden. Schlangen schützen den Eingang zur Anderswelt, sie sind die Schwellenhüter. Die Schwelle, wo Menschen sich wandeln. Ihre Form ändern. Wie die Efeublätter ihre Form wandeln können. Zudem häuten sich Schlangen, symbolisieren damit die Widergeburt, das ewige sich ständig wandelnde Leben. 

Schon die Kelten kannten diese Deutung. Der Efeu war wie die Stechpalme und andere Immergrüne dem Grünen Mann geweiht, dem Wintergott und Geliebten der Erdmutter. Ihnen zu Ehren wird zur Wintersonnenwende mit Mistel, Stechpalme (Ilex) und Efeu geschmückt. Fruchtbarkeitssymbole in den Mutternächten tief inmitten des Winters. Die weißen Beeren der Mistel versinnbildlichen das Sperma des Gottes, die roten Beeren des Ilex das fruchtbare Menstruationsblut der Göttin, mit dem Efeu als Bindeglied, das Göttin und Gott fest umrankt und in ewiger Verbindung hält. 

Einst als heidnischer Brauch verboten, sind uns diese immergrünen Pflanzen als weihnachtlicher Aufputz längst wieder vertraut. Und wenn sich der eine oder andere nicht für den Efeu interessiert oder öffnet, so flüstert der Efeu wohl trotzdem jedem zu: „So wie ich immergrün bin und selbst dem kältesten Winter trotze, so überstehst auch du die dunkle Zeit und das Licht kommt schneller wieder als du denkst. So wie sich alles immerwährend wandelt und doch verbunden bleibt.“ 

Ursprünglich hab ich den Text für meine Lehrerin geschrieben, Ingrid Kleindienst-John, erschienen ist er in der Mitgliederzeitschrift ihres KräuterKraftKreises, dem Lindenblatt.

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