Bärlauch, Allium ursinum, wird auch wilder Knoblauch, Waldknoblauch, Zigeunerlauch oder Hexenzwiebel genannt. Botanisch gehört er zu den Amaryllisgewächsen, ist mehrjährig und kann bis zu 30 cm hoch werden. In fast ganz Europa heimisch wächst er in schattigen Auwäldern, humusreichen Laubwäldern bis zu 1500m Höhe, in Buchenwäldern, in Gebüschen, selbst im eigenen Garten lässt er sich ansiedeln. Sein Boden sollte etwas kalkhaltig sein.


Anfang März sprießen die ersten grünen Spitzen aus dem Boden, 24 Stunden später sind es schon richtige Blätter, der Bärlauch ist schnell unterwegs unter idealen Bedingungen. Wo er sich wohlfühlt, kann Bärlauch in solchen Mengen vorkommen, dass man seinen Knoblauchduft von weitem riecht. Richtige „knofelige“ grüne Teppiche. Seine zarten sternförmigen Blüten formen im Blühstadium regelrecht ein weißes Blütenmeer. Es bilden sich dann Fruchtkapseln mit 3 schwarzen Samen, sind sie reif, knickt der Stängel und die Samen fallen zu Boden, wo sie von Ameisen und Tierpfoten vertragen werden. Im Juni spätestens welken die Blätter, der Bärlauch zieht ein und geht in den Sommerschlaf.
Von März bis Mai lassen sich seine Blätter gut sammeln, auch alle anderen Teile sind essbar: Knospen, Blüten, Samen, auch die Zwiebel ließe sich im Hochsommer ernten, wenn das Kraut abgestorben ist, und in Öl einlegen.
Bitte nur sammeln, wer Bärlauch eindeutig erkennt. Unkundige könnten die Blätter mit jenen der Herbstzeitlose, des Maiglöckchens oder dem Aronstab – allesamt giftig – verwechseln. Wie so oft gilt es gut hinzusehen! Die lindgrünen, weichen Bärlauchblätter wachsen einzeln aus dem Boden, auf langen dreikantigen Stängeln, die Mittelrippe ist deutlich zu erkennen, ihre Vorderseite ist glänzend, die Rückseite matt. Und sie „knofeln“ deutlich. Beim Knoblauchgeruch gut differenzieren, ob das Blatt riecht oder schon die eigenen Finger 😉
An dieser Stelle sei eine große Bitte zum Sammelverhalten erwähnt: Mit der Natur und ihren Pflanzengeschenken sollte stets achtsam umgegangen werden. Blatt für Blatt pflücken und nicht mit der Sichel oder sonstigen Gerätschaften großflächig abmähen. Möglichst nichts zertrampeln. Auch wenn Bärlauch stark im Mode gekommen ist und auf keiner Speisekarte mehr fehlen darf – bei Wildsammlung bitte immer nur kleine Mengen ernten, im Idealfall sollte man gar nicht sehen, dass etwas geerntet wurde. Dankeschön!

Wegen des starken Geruchs wurde Bärlauch im Mittelalter als „vertreibendes“ Kraut genutzt, wie Knoblauch gegen Vampire und Blutsauger. Bei den Römern war er der Göttin Ceres geweiht, der Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit. Ein „Liebestrank“ aus Koriander und Bärlauch soll gegen angehexte Impotenz getrunken worden sein. Karl der Große verordnete im 8. Jahrhundert Bärlauch-Anbau per Gesetz. Ab dem 17. Jahrhundert geriet Bärlauch als Wildgemüse und Heilpflanze eher in Vergessenheit, ehe er im 20. Jahrhundert wieder aus dem Dornröschenschlaf geholt wurde.
Was hat jetzt aber der Bär mit dem Lauch zu tun?? Nun, magisches Denken und eine tiefere Botschaft hinter allen Erscheinungen waren für unsere Vorfahren Alltag, Tiere und Pflanzen galten als Botschafter, Ratgeber und Visionsbringer. Der Bär als „Seelentier“ galt bei den Germanen als Beschützer der Fruchtbarkeit, denn die Bärin gebiert ihre Jungen in der dunkelsten Zeit des Jahres (ab November), säugt und beschützt dieses neue Leben bis das Licht im Februar wieder kommt. Der Bär war der Frühlingsbringer, der mit seiner unbändigen Kraft die Macht des Winters brechen konnte. Pflanzen, die Bärennamen tragen, schrieb man ebensolche „Bärenkräfte“ zu. Sie haben die Kraft der Erneuerung, Reinigung, brechen Verhärtetes auf und wärmen den Körper. Kelten, Germanen, Römer – sie alle kannten und nutzten den Bärlauch als Heilpflanze. Er zählt zu den kräftigsten „Bärenpflanzen“.
Bärlauch ist dem Knoblauch an Wirkung überlegen, er enthält weit mehr ätherisches Öl mit schwefelhaltigen Verbindungen als dieser (bis zu 8mg Schwefel pro 100g Trockenmasse, im Vergleich Knoblauch mit 1,7mg/100g lt. Miriam Wiegele). Dies soll vor allem vorbeugend bei Arteriosklerose wirken, also der Gefäßverkalkung entgegenwirken. Daneben enthält Bärlauch Flavonoide, Senfölglycoside, Chlorophyll, viel Vitamin C und Mineralstoffe wie Magnesium, Mangan und vor allem Eisen.
Bärlauch ist eine der Einschleuserpflanzen für Eisen! Hat jemand Eisenmangel oder ist die Eisenaufnahme im Körper gestört – es sei ihm der Verzehr von frischem Bärlauch von Herzen empfohlen, eine günstige und die wohl natürlichste Formel, um dem Organismus die Eisenresorption zu erleichtern!
Die antisklerotische Wirkung von Bärlauch ist wissenschaftlich bestätigt. Bärlauch reinigt und entspannt/erweitert die Blutgefäße, besonders die der Beine und des Gehirns. Er reduziert dadurch den Blutdruck und verhindert, dass sich Blutplättchen verklumpen, beugt somit Herzinfarkt und Schlaganfall vor.
Bärlauch fördert die Lebertätigkeit, den Gallenfluss und senkt den Cholesterinspiegel. Er beeinflusst den Fettstoffwechsel positiv. Bärlauch besitzt eine stark entgiftende Wirkung auf den gesamten Organismus. Magen und Darm werden durch seine keimtötende Wirkung „saniert“, gleichzeitig werden die „nützlichen“ Darmbakterien geschützt, die der Körper für Verdauung und ein gesundes Immunsystem braucht. Nach einer Antibiotika-Einnahme oder Candida-Erkrankung hilft Bärlauch das zerstörte Darmgleichgewicht wieder aufzubauen. Bärlauch regt die Darmtätigkeit an, Nahrung wird besser verdaut, Gärungsprozesse verhindert, damit wirkt er blähungswidrig. Bärlauch wirkt auch positiv bei Atemwegserkrankungen wie zB Bronchitis.
Bärlauch entgiftet unseren Körper. Toxische Schwermetalle wie zB Quecksilber lösen sich aus den Depots im Körper, werden gebunden und zur Ausscheidung gebracht.
Bärlauch ist also ein rundum perfektes Kraut zur Frühjahrskur. Und vielleicht lassen sich auch Knoblauch-Gegner vom Bärlauch überzeugen, denn er hat keine so geruchsintensive (Nach-)Wirkung.
Therapeutisch einsetzen und für das ganze Jahr über konservieren lässt er sich mittels Tinktur.
Hier das Rezept für solch einen Bärlauchgeist: Frische saubere Blätter kleinschneiden, in ein Schraubglas füllen und mit Korn oder Wodka (40% vol. Alk.) übergießen. 3 Wochen bei Zimmertemperatur stehen lassen, öfters schütteln. Abseihen und in dunkle Tropfflaschen füllen. Kurmässig 3x täglich 10-20 Tropfen mit Wasser verdünnt einnehmen. Entschlackt den Körper, reinigt Blut und Haut.
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