Die Vogelmiere – Superfood früh im Jahr

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Jedes Mal, wenn ich heute die Vogelmiere erspähe, muss ich schmunzelnd an meine erste bewusste Begegnung mit ihr denken. Vor einigen Jahren nun schon bei einem meiner ersten Kräuterworkshops im Garten meiner Lehrer. Sie fragten, welches Kraut wir denn erkennen. Eine Teilnehmerin rief: „Das ist die Vogelmiere. Die kenn ich. Die kann man essen. Schmeckt nach Mais.“ Verfressen wie ich bin, hab ich mir genau das gemerkt: kann man essen, schmeckt nach Kukuruz. Ich wusste auch, wo sie im Garten bei meinen Lehrern wächst. Wie sie heißt, tja, das hat etwas länger gedauert bis ich mir das gemerkt hab. Wie so viele andere Pflanzen, hat mir da auch die Vogelmiere Geduld gelehrt *lach* Heute gehört sie zu meinen liebsten Superfoods im Frühjahr. Ich freu mich aus tiefstem Herzen, wenn ich das erste Mal sammeln bin und ein erstes Pesto zaubern kann.

Die Vogelmiere. Im Volksmund auch Hühnerdarm, Mäusedarm oder Hühnermiere genannt. In ihrem Stängel dient eine feine Haarlinie zur Wasserversorgung, die lässt sich „wie einen Darm“ rausziehen, daher „Hühnerdarm“.

Ihr botanischer Name lautet Stellaria media. Klingt doch so himmlisch fein und melodisch, oder? Erinnert an Mond und Sterne. Stellaria. Das „Sternchen“. So zart, fast zerbrechlich, still und unscheinbar, die winzigen weißen Blüten. Und doch ist diese Pflanze unglaublich zäh, kraftvoll, besitzt enorme Widerstandskraft und ist sehr anpassungsfähig.

Sie ist ein sog. Archäophyt, eine Urpflanze – sie hat die letzte Eiszeit überdauert und wurde schon in der Jungsteinzeit nachgewiesen.

Ausrotten lässt sie sich nicht, denn obwohl sie eine einjährige Pflanze ist, produziert sie 20.000 Samen pro Jahr, die über 60 Jahre keimfähig bleiben und selbst bei 0°C kann sie schon sprießen. Also auch im Winter und unter einer leichten Schneedecke lässt sich dieses Supersternchen finden.

Die Vogelmiere liebt stickstoffreiche, feuchte Böden, gedeiht gut im Schatten bis Halbschatten, vereinzelt auch in der Sonne, da darf es nur nicht zu trocken sein. 

Die Vogelmiere ist ein Nelkengewächs, besitzt 5 weiße zweiteilige Kronblätter. Ihre grünen Blätter sind oval, ei-herzförmig, glatt und gegenständig. Ihre Knospen sind leicht behaart und aufrecht. Sie wird im Schnitt zwischen 10-20cm hoch. 

Sie bildet ganze „Teppiche“ aus. Ihr wird nachgesagt sie könne Böden „heilen“. Jedenfalls dient sie so als Erosionsschutz.

Wer sie im Garten hat – bitte nicht ärgern oder achtlos ausreißen. Einfach aufessen! Die Vogelmiere ist ein echtes einheimisches (kostenloses) Superfood, das uns viele Vitamine und wichtige Mineralien liefert!

So enthält sie Vitamin C (mehr als zB Brokkoli), Vitamin A und Vitamin B, Eisen (mehr als im Spinat!), Kalium, Kalzium, Kieselsäure und Phosphor.

Durch ihren hohen Chlorophyllgehalt ist sie ideal für eine entschlackende Frühjahrskur. Sie sprießt ja auch als eins der ersten „Grüns“. Trotzdem ein ganzjährig nutzbares Kraut, samt sich selbst aus und erinnert im Geschmack tatsächlich an jungen Mais.

Zu den weiteren Inhaltsstoffen zählen auch Saponine. Die Vogelmiere wirkt schleimlösend, entzündungshemmend, heilend, antiviral, hustenstillend, harntreibend und herzstärkend.

Zu den Klassikern der natürlichen Hausapotheke zählt eine Vogelmierensalbe. Sie ist ein tolles Helferlein bei juckenden Hautausschlägen, Ekzemen, Psoriasis, Dermatitis. 

Das frisch gequetschte Kraut oder ein Teeaufguß lässt sich auch hervorragend als Kompresse bei schlecht heilenden Wunden nutzen.

Vogelmierentee wirkt schleimlösend und entzündungshemmend, nutzbar bei Halsentzündung, bei Problemen mit Nieren und Blase. Der rohe Saft soll eingenommen bei chronischer Verstopfung helfen.

Und natürlich sollte die Vogelmiere in unserer Küche zuhause sein. Sie lässt sich sowohl roh als auch gekocht verwenden. Ob am Butterbrot, im Salat, als Pesto, wie Spinat zubereitet, in Suppen, Eintöpfen – kulinarisch kreativ oder einfach Omas Rezepte aufgepeppt. Die Vogelmiere ist ein gesundes und nahrhaftes Superfood! (Notiz am Rande: auch für Tiere nahrhaft und gesund – ob Haustiere oder Wildtiere, Vögel, Hasen, Hühner, Schildkröten, u.a. Ich glaube ja dass selbst die Mammuts schon Vogelmiere gefuttert haben *lach*)

Hier verrate ich ein paar Rezepte aus meiner Wildkräuterküche. Ute kocht wild – wie meine Kräuterling-Freunde sagen würden.

Omelett mit Zucchini und Vogelmiere

Zutaten: 2 Eier, je 1 Handvoll Vogelmiere, 1 EL Milch, 1/2 Zucchini, 5 Cocktailparadeiser, 1 Knoblauchzehe, Salz, Pfeffer, Öl zum Braten

So wird’s gemacht: Eier mit Milch verschlagen, salzen, pfeffern. Zucchini und Paradeiser würfeln. Knoblauch hacken und mit dem gewürfelten Gemüse in einer Pfanne anbraten, mit der Eiermischung übergießen, Deckel drauf und bei kleiner Hitze stocken lassen. Auf ein Teller gleiten lassen, mit gehackter Vogelmiere garnieren und genießen.

Vogelmierenpesto

Zutaten: Vogelmiere, Cashewkerne geröstet, Olivenöl, Salz, Pfeffer, Zitronensaft

So wird’s gemacht: Vogelmiere waschen, trockenschleudern. Vogelmiere und geröstete Cashewkerne kleinhacken, mit Olivenöl pürieren, mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken.

Tipp: Je nach Geschmack, Vorliebe oder was die eigene Küche auf Vorrat hat lassen sich auch andere Nüsse verwenden. Ca. 2 Teile Kraut und 1 Teil Nüsse. Mit dem Olivenöl soll eine dickflüssige Paste entstehen.

Vogelmierensuppe

Zutaten: 1 kleine Zwiebel, 1 mittelgroßer Erdapfel, 600 ml Gemüsesuppe, 1-2 Handvoll Vogelmiere, Salz, Pfeffer, Muskatnuss, Creme fraicheSo wird’s gemacht: Zwiebel kleinhacken und in Öl andünsten, Erdapfel schälen, waschen, klein würfeln und zur Zwiebel geben, mit Gemüsesuppe aufgießen und weichkochen. Gehackte Vogelmiere dazugeben und pürieren. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen. Mit einem Klecks Creme fraiche verfeinern.

Frühlingskräuterrisotto

Zutaten: gemischte Frühlingskräuter (Brennnessel, Vogelmiere, Blättchen von Schafgarbe und Gundelrebe), 1 kleine Zwiebel kleingehackt, 1 Tasse Risottoreis (zB die Sorte Arborio), heißes Wasser oder Suppe, Kräutersalz, Pfeffer, Olivenöl, 1-2 EL Pecorino romano gerieben, ½ EL Butter

So wird’s gemacht: Kräuter klein hacken (nach Bedarf vorher kurz abspülen und trockenschleudern). Zwiebel in Olivenöl andünsten, Brennnessel dazugeben und mitdünsten (falls schon größere Blätter dabei sind, werden so die Brennhaare „neutralisiert“), Risottoreis zugeben und kurz mitdünsten, bis die Körner leicht glasig werden, mit heißem Wasser oder Suppe aufgießen, sodass der Reis gut bedeckt ist. Einmal aufkochen und dann bei mittlerer Hitze langsam köcheln lassen. Solange immer ein bisserl Flüssigkeit nachgeben bis die Reiskörner weich sind. Dazwischen immer wieder umrühren. Ist der Reis gar für mehr Cremigkeit die Butter unterrühren, salzen, pfeffern, die restlichen gehackten Kräuter unterheben und den Pecorino einrühren. Kurz ziehen lassen und servieren. Mahlzeit!

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